Die Praxis Daniela Baumgarten wünscht Fröhliche Weihnachten

Weihnachten als Musterunterbrechung

Das Jahr neigt sich dem Ende; der Tannenbaum ist geschmückt, der Weihnachtsbraten vorbereitet und die Geschenke verpackt. Ich habe mir in diesem Jahr bewusst früh Zeit genommen, um mich in Ruhe auf die Feiertage vorbereiten zu können. Naja , eigentlich hat meine Familie etwas gemeckert und die Kleine hat sich gewünscht, dass ich endlich einmal zur Weihnachtsfeier in ihrer Grundschule dabei bin und zuschauen kann, wie sie in der Kirche eine Strophe eines Gedichts aufsagt. Ich bin also heute, am Vorabend der Weihnachtstage, recht entspannt.

 

In diesem Jahr ist sehr viel passiert. Gesellschafts-politisch ist es wohl eines der Bedeutsamsten, die ich bisher bewusst erlebt habe: Brexit, Trump-Wahl und nun das Attentat in Berlin. In einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in einer Zeit, in der sich politische Gegner in Sozialen Netzwerken duellieren und auch politisch Uninteressierte zu jedem auch so unwichtigen Post ihr Statement abgeben, begegnete ich – die schon vor Jahren aus der Kirche Ausgetretende – einer Predigt eines Pastors, der darüber sprach, dass Weihnachten „eine Pause“ sei. Dass mit Christi Geburt vor 2016 Jahren eine Veränderung eingetreten sei. Wozu ein Schulgottesdienst alles so dienlich sein kann. Ich schaltete also bereits recht früh ab, als der Pastor zu predigen begann und in meinem Kopf drehte sich alles nur noch um das Bild der „Pause“. So unrecht schien er gar nicht zu haben.

 

Wenn ich mit meinen Klienten oder Freunden, mit meiner Familie oder meinen Kollegen über die Weihnachtszeit und unsere Bräuche spreche, dann treffe ich fast immer auf gestresste Menschen, die sich darüber beklagen, dass Weihnachten nur noch Konsum ist und dass sie diese Zeit am Liebsten aus dem Kalender streichen würden. Mir tut dies immer so leid, denn ich liebe die Weihnachtszeit. Ich liebe es, wenn ich kurz vor dem ersten Advent die Weihnachtsdekoration aus dem Keller hole und beginnen kann, die Wohnung zu schmücken. Ich liebe es, die vier Kerzen des Adventskranzes anzuzünden, die zahlreichen mit Lichtern dekorierten Häuser zu beobachten, die Weihnachtsmusik auf den Weihnachtsmärkten und auch, für jene, die mir wichtig sind, Geschenke zu besorgen. Ich liebe gerade den Geschenkeeinkauf, weil ich mir Gedanken darüber mache, womit ich meiner Mutter, meinen Nichten oder meiner Tochter eine Freude machen könnte. Ich bin gedanklich mit ihnen beschäftigt und gerade dies kommt im Alltag häufig zu kurz. Ich freue mich dann darauf, wie meine Familie ihre Geschenke auspackt und wie gerade bei den Kleinsten leuchtend-strahlende Augen mein Herz erfüllen.

 

Eines meiner größten Tools in meiner Arbeit als Therapeutin ist das Einsetzen einer Musterunterbrechung. Gerade dann, wenn wir uns mit allem, was wir tun, im Kreis zu bewegen scheinen, wenn all das, was wir bisher getan haben, um einen lang andauernden Konflikt zu beheben, nicht gefruchtet hat, dann macht es Sinn, erst einmal einen Break zu setzen. Meistens kommen mir die konkreten Umsetzideen ganz spontan und ich entwickle diese aus einem Gespräch heraus.

 

Zum ersten Mal wurde mir an diesem besagten Morgen im Schulgottesdienst bewusst, dass auch Weihnachten eine Musterunterbrechung ist. Wir werden in dieser Zeit nachsichtiger und wärmer, wir sind offener für Lösungsmöglichkeiten und sehnen uns nach Harmonie und Ruhe. Gerade diese Zeit dient dazu, einen langen Streit zu unterbrechen, auf einen Menschen, mit dem wir sehr lange nichts zu tun hatten oder den wir gar gemieden haben, zuzugehen und vieles unserer Mitmenschen zu verzeihen. Denn es ist Weihnachten.


Als Nicht-Christin kann ich sehr gut mit diesem Brauch leben. Und eigentlich ist es ja auch genau das, was den christliche Gedanke darin ausmacht: Nächstenliebe, Zuneigung und Menschlichkeit.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die vielen schönen Begegnungen in 2016 und wünsche allen besinnliche Weihnachtstage und einen gesunden Start ins neue Jahr.

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